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Kirchenbau evangelisch/katholisch - ein Vergleich Autor: gs

Bis zur Reformation gehorchte der Kirchenbau in ganz Europa dem Schema, das seit der Alten Kirche durch die römische Kirche tradiert worden war. Die Reformation stellte wie in anderen Bereichen auch für den Kirchenbau manche überkommene Tradition in Frage.

Die lutherische Reformation übernahm zwar weitgehend die vorhandenen Räume und bewahrte ihre Schätze und die biblischen Bilder auf. Die reformierte Tradition (vor allem in der Schweiz) schloss sich stärker an die Bilderstürmer an, die alles aus den Kirchen verbannen wollten, was vom gepredigten Wort auf irgendeine Weise ablenken könnte.

In den Jahrhunderten seit der Reformation haben sich die bis zur Zeit der Gegenreformation formierten Fronten zwischen den großen Konfessionen mehr und mehr wieder aufgelöst. Heute steht die Gemeinde auch im katholischen Kirchenbau im Zentrum der Planungsentscheidungen und umgekehrt steht für evangelische Gemeinden außer Frage, dass die überkommenen Räume und ihre Ausstattungsstücke bewahrt werden und dass Kunst nicht einfach ablenkend wirken muss, sondern öffnen kann für Gott und Trägermedium für das Wort Gottes sein kann.

Für die nachstehende Tabelle gilt daher, dass die aufgezählten Kennzeichen zu einem großen Teil für moderne Kirchen nicht mehr so deutlich sind. Oft gibt es auch geradezu Gegenbeispiele, z.B. dass eine neue katholische Kirche die Gemeinde plenar anordnet um eine Mitte für Wort und Sakrament oder dass evangelische Kirchen wie schon im 19. Jh. hin und wieder die axiale Ausrichtung zum Heiligen irgendwie thematisieren.


Evangelisch Katholisch
Zusammenfassend: Was stärker im evangelischen Kirchenbau vorkommt.
plenare Anordnung der Gemeinde -
Kanzel -
-
Darstellung Luthers, Melanchthons u.a. -
-
 Orgel frontal -
Taufstelle in der Mitte der Gemeinde -
-
-
-
 Gestühl -
Emporen -
-
Zusammenfassend: Was stärker im katholischen Kirchenbau vorkommt.
- ausgerichtete Anordnung der Gemeinde
- Altar
- Tabernakel, Ewiges Licht
- Darstellung Mariens, Heiliger, Päpste
- Himmelsmotivik (Putten, Himmelsdeckenbilder)
- wenn Orgel, dann kaum frontal
- Taufstelle im Eingangsbereich
- Beichtstuhl
- Kreuzweg
- Weihekreuze (12 Apostelkreuze)
-
-
- verschiedene Stühle im Altarraum

Evangelische Kirchen werden eingeweiht und dabei auch ein Segen für die Menschen, Funktionen und das Haus an sich zugesprochen. Die besondere Funktion des Bauwerks als Raum für Gottesdienst und spirituelle Gottesbegegnung verdient besonderen Respekt. Die Kirche hat als Kirche im Gedächtnis der Gemeinde und in der Symbolwirkung auf Außenstehende solchen Respekt. Seine Würde wird zerstört bei  Außerbetriebnahme. Aber es handelt sich dabei nicht um eine Weihe, bei der dem Raum eine Göttlichkeit oder Anteil am Göttlichen zugeteilt würde. 
Geweihter Raum
Katholische Kirchen werden geweiht. Erst dann sind sie ein voll gültiger Gottesdienstort. Das Haus erhält dabei eine Würde, die es nicht verlieren kann außer durch die umgekehrte liturgische Handlung der Säkularisierung.
Dass in Kirchen eine besondere Gegenwart Gottes vorausgesetzt wurde, zeigt die Bezeichnung "Gotteshaus" oder "Haus Gottes".

Das beim Abendmahl verwendete Brot erfährt keine Wandlung an sich, sondern ist im Empfang bei der Kommunion Leib Christi (lutherisch) bzw. Zeichen für den Leib Christi (reformiert). Nicht eingenommenes Brot bleibt normales Brot und wird nicht besonders aufbewahrt. In manchen evangelischen Kirchen steht noch ein altes Sakramentshaus, das dort aber keine Funktion mehr ausübt, sondern um seiner Schönheit willen erhalten geblieben ist.
Tabernakel
Das Tabernakel ist oft das deutlichste formale Unterscheidungsmerkmal für eine katholische Kirche. Im Tabernakel werden die gewandelten Hostien aufbewahrt, die bei der Messe übrig blieben. Wenn das "ewige Licht" am Tabernakel leuchtet, ist es nicht leer.

Ewiges Licht
s. Zeile Tabernakel

Reliquie im Altar
Katholische Kirchen haben ihren spirituellen Mittelpunkt im Altar. Dieser ist nur dann voll gültiger Altar, wenn er die Reliquie eines Heiligen enthält.
Kein Opferaltar, sondern ein Tisch
Im evangelischen Gottesdienst wird kein Opfer dargebracht und daher ist es auch nicht ganz korrekt, im evangelischen Gottesdienstraum von einem Altar zu sprechen. Altare sind Bauteile zur Darbringung von Opfern.
Evangelische Christen feiern das Abendmahl um einen Tisch. Da es sich dabei aber oft um einen altes, damals als Altar erbautes Stück handelt, kann man auch vom "Altartisch" sprechen.
Wenn bewusst ein Tisch mit Tischbeinen gestaltet wurde, dann kann man daran meistens erkennen, dass die Kirche evangelisch ist.
Altar
Katholische Kirchen enthalten in jedem Fall einen Altar, der zudem nicht mobil sein darf und normalerweise aus Stein oder Beton bestehen muss.
Oft erkennt man katholische Kirchen auch daran, dass sie zwei Altäre enthalten: Einen alten an der Ostwand und einen modernen vor der Gemeinde. Seit dem Vatikanischen Konzil in den 60er-Jahren muss der Priester bei der Messliturgie hinter dem Altar stehen können. Daher wurde überall, wo der Altar an der Wand stand, ein zweiter Altar weiter vorn vor der Gemeinde gebaut.
Gemeindebetonte Raumzentrierung
Die Reformation veränderte den Kirchenbau, indem mehr die Gemeinde betont wurde. Jesus ist dort, wo Gemeinde sich sammelt und das Evangelium verkündigt wird.
Eingeführt wurde das Gestühl. Bis heute sind evangelische Kirchen eher "vollgestellt" mit Gestühl als katholische.
Theologisch motiviert waren Versuche, das Gestühl plenar anzuordnen und damit anzudeuten, dass alle gleich sind. Ein ausgegrenzter Chor für Geweihte wird abgelehnt (keine Trennung in Laien- und Priesterbereich).
Axial-hierarchische Raumorientierung
Lange galt für den katholischen Kirchenraum eine gestufte Heiligkeit: Der Chor war den geweihten Priestern vorbehalten, dann folgten die Laienbrüder und schließlich die Gemeinde.
Die Hierarchisierung ist im neuen katholischen Kirchenbau praktisch aufgegeben. Allerdings kommt es öfter als im evangelischen Kirchenbau vor, dass eine axiale Ausrichtung auf den Altar gebaut wird, der vorn und erhöht die Gemeinde dominiert.
Taufe in der Mitte der Gemeinde
Die reformatorischen Kirchen betonten, dass Taufe Aufnahme in die Gemeinde ist und ordneten den Taufstein mehr im Angesicht der ganzen Gemeinde an.
Taufe auf dem Weg zur Gemeinde
In katholischen Kirchen findet man oft eine Taufkapelle am Eingang zur Kirche. Sie bringt zum Ausdruck, dass die Taufe sozusagen Eintrittshandlung ist und dass die Gemeinde der Eucharistie Gemeinde der Getauften ist.

Ein Kreuzweg dieser Art ist in evangelischen Kirchen schon deshalb nicht anzutreffen, weil 5 der 14 Stationen Szenen zeigen, die nicht biblisch überliefert sind (Fall unter dem Kreuz 3 x, Begegnungen mit Maria und Veronika).
Kreuzweg
Ein Kreuzweg ist eine Darstellung des Leidensweges Christi von der Verurteilung bis zur Grablege in 14 Stationen.

Beichtstühle finden sich nicht in evangelischen Kirchen, weil dort die Beichte nicht rituelle Pflicht und kein Sakrament ist. Die Beichte geschieht in der evangelischen Kirche in der Regel im unmittelbaren seelsorglichen Gespräch.
Beichtstuhl
Der Beichtstuhl dient der Ohrenbeichte. Eine Tür ist für den Priester, durch die andere kann sich die beichtende Person in den Beichtstuhl setzen.
Weihe- oder Apostelkreuze
Katholische Kirchen werden bei der Weihe auf den Grund der 12 Apostel gegründet. Im Weiheritual werden 12 Stationen abgeschritten, die jeweils durch ein Kreuzzeichen signiert sind.
Reformatorenbilder
Protestantisches Profil zeigt sich, wo Luther, Melanchthon, Calvin, Zwingli und andere dargestellt sind.
Mariendarstellungen
Römisch-katholisches Profil zeigt sich, wo Maria, Elisabeth, andere Heilige und Päpste dargestellt sind.
Himmelsmotivik (Barock)
Vor allem Kirchen der Gegenreformation aus der Barockzeit sind katholische Kirchen Vorräume des Himmels: Beim Blick zum Deckenfresko öffnet sich der Blick in den Himmel, Putten schweben herab bis in die Dekoration der Bauteile.
Stühle im Altarraum
Im katholischen Gottesdienstraum befinden sich vorn beim Altar Sitzgelegenheiten für den Priester und die weitere liturgisch Mitwirkenden bis hin zu den Ministranten.
Emporen
In vielen evangelischen Kirchen wurden Emporen eingebaut, als man Sitzplätze machte und als die Bevölkerung wuchs.

Katholische Kirchen enthalten weniger Emporen, weil dadurch Menschen höher sitzen als der Altar steht und weil der Weg herunter beim obligatorischen Messgang stärker ins Gewicht fällt. Vorhandene Emporen aus alten Baustilen waren oft nicht für die Gemeinde offen.
Kanzelaltar
Der Kanzelaltar ist eine protestantische Schöpfung, die versucht das Predigtwort in den Mittelpunkt zu stellen und gleichzeitig auch das Abendmahl in der Mitte zu lassen. Zu diesem Zweck wurde die Kanzel unmittelbar über dem Altar angeordnet. In manchen fällen komplettiert die Orgel dieses Ensemble.

In katholischen Kirchen ist in der Regel nichts über dem Altar angebracht, was nach der östlichen Gebetsrichtung den Raum abschließt. Der Altar selbst kann jedoch als Hochaltar raumabschließend wirken.
Betonung der Orgel
Wo man typisch Evangelisches betonen wollte (v.a. in der Barockzeit) wurde die Orgel stirnseitig vorn im Raum gezeigt.

Nicht unterscheidend ist, ob auf der Turmspitze Hahn oder Kreuz leuchten. Das ist je nach Gegend so oder anders herum zwischen den Konfessionen.


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